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4. April 2026

Caroline Darian - Und ich werde dich nie wieder Papa nennen

© Verlag Kiepenheuer & Witsch / Argon Verlag

Ich habe dieses Hörbuch letztes Jahr gleich nch der Veröffentlichung gekauft und täglich auf dem Weg zur Schule gehört. Ich in den 3 Jahren Ausbildung immer wieder wochenlag Schule und 100 km je Strecke zur Schule zurück zulegen, also jede Menge Zeit für Hörbücher und Hörspiele. Einige werde ich euch sich noch vorstellen, aber erstmal dieses und nicht nur weil das Buch von Carolin Darians Mutter Gisèle Pelicot, endlich auf deutsch erhältlich ist, sondern weil durch Coleen Fernandez Ulmen, dieses Thema schon wieder so riesen groß ist.

Und was ist schon wieder der selbe Ton - sowas kann doch garnicht sein: Er ist doch ein weißer Cis-Mann, deshalb bitte erstmal ganz groß UNSCHULDSVERMUTUNG schreien und dem "potentiellen" Opfer Lügen unterstellen und Gewalt/ Mord androhen.

Darum geht es in diesem Hörbuch:

Ein Prozess, der die Welt erschüttert. Eine Mutter, die als Ikone gefeiert wird. Ein Vater, den man als Monster bezeichnet. Eine Tochter, die ums Überleben kämpft. Weil sie Teil eines Verbrechens ist, in dem ihre Eltern Opfer und Täter sind. Das ist ihre Geschichte.

Caroline Darian, Tochter von Gisèle und Dominique Pelicot, erhält am 2. November 2020 einen Anruf von ihrer Mutter. Ihr Vater wurde verhaftet. Fast zehn Jahre lang hat Pelicot seine Frau heimlich mit medikamentösen Substanzen betäubt, um sie im bewusstlosen Zustand zu vergewaltigen und knapp 70 fremden Männern zuzuführen. Auch von Caroline gibt es verhängnisvolle Fotos. Sie kann sich ebenso wenig erinnern wie ihre Mutter an die unzähligen Vergewaltigungen.

Mit außergewöhnlichem Mut erzählt Caroline Darian von dem Sturz ins Bodenlose. Tagebuchartig beschreibt sie, wie das Ausmaß des Jahrhundertverbrechens ihre Familie zerstört. Wie sie ihre Mutter beschützen will und zugleich mit Angstzuständen kämpft. Wie aus dem geliebten Vater ein brutaler Vergewaltiger wurde. Wie sie ihrem Sohn erklärt, dass er keinen Großvater mehr hat. Caroline versucht zu begreifen, wie es zum Unvorstellbaren kommen konnte.

Dieses Hörbuch ist eine Liebeserklärung der Tochter an die Mutter, die es geschafft hat, ihren Stolz und ihre Lebenskraft in den widrigsten Momenten zu bewahren. Damit die Schande sich gegen die Täter richtet, damit die Gesetzeslage sich ändert. Mutter und Tochter haben das private Trauma in einen gemeinsamen Kampf verwandelt. Sie werden weltweit als Heldinnen gefeiert. (Quelle: Argon-Verlag.de)

Meine Meinung:

Im letzten Frühjahr habe ich das Hörbuch „Und ich werde dich nie wieder Papa nennen“ gehört. Es hat mich nicht nur emotional erschüttert, sondern auch wütend gemacht – und das aus gutem Grund. Denn diese Geschichte ist nicht nur die einer einzelnen Familie. Sie ist ein Spiegel unserer Gesellschaft, die immer wieder zeigt, wie tief verwurzelt Gewalt gegen Frauen und Kinder ist.

Die Autorin erzählt von einem Schicksal, das sich niemand aussucht: den Verlust des Vaters durch seine eigenen Taten. Die Ungewissheit, was ihr wirklich angetan wurde. Die Frage, wie man Kindern erklärt, warum es keinen Opa mehr gibt – und wie man selbst damit lebt, dass der Mensch, der einem das Leben schenkte, es gleichzeitig zerstört hat. Doch was diese Erzählung so bedrückend macht, ist nicht nur die persönliche Tragödie, sondern die Erkenntnis, dass sie kein Einzelfall ist.

In den letzten Jahren sind immer wieder „Vergewaltigungsgruppen“ in sozialen Medien aufgetaucht, in denen Männer sich über sexualisierte Gewalt austauschen – als wäre es ein Sport. Der Fall Collen Fernandez Ulmen, die von ihrem eigenen Mann jahrelang virtuell missbraucht wurde (und ja auch das ist Missbrauch!), hat gezeigt, wie nah Gewalt oft ist: nicht irgendwo, sondern mitten in der Familie. Und doch wird weggesehen, beschwiegen, verharmlost. „Und ich werde dich nie wieder Papa nennen“ macht diese Systematik sichtbar. Es zeigt, wie hilflos sich die Opfer fühlen und wie sie kämpfen müssen.

Besonders beeindruckend ist, wie die Autorin ihre Geschichte erzählt: nicht als Anklage, sondern als Aufruf zum Hinsehen. Sie fragt nicht nach Schuld, sondern danach, wie wir als Gesellschaft Verantwortung übernehmen können. Wie wir Kindern glauben, wie wir Frauen schützen, wie wir Täter*innen nicht länger deckeln. Ihre Worte sind ein Aufschrei und sie sind eine Mahnung.

Ich habe mich oft gefragt: Hätte ich die Kraft, an ihrer Stelle weiterzumachen? Doch vielleicht ist das die falsche Frage. Es geht nicht um „Kraft“, sondern darum, dass wir alle hinhören müssen. Dass wir die Stimmen derer verstärken, die sonst ignoriert werden. Dass wir begreifen: Schweigen schützt nur die Täter*innen.

Dieses Buch tut weh. Aber es ist ein Schmerz, den wir aushalten müssen – denn er ist notwendig. „Und ich werde dich nie wieder Papa nennen“ ist kein Buch, das man liest und dann vergisst. Es ist ein Buch, das uns alle etwas angeht.

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